Warum eigentlich Nordkirchen?

Es ist keine Woche mehr, dann ist das erste Ja-Wort fällig. Wenn ich dieser Tage erzähle, dass ich in Nordkirchen auf dem Schloss heirate, werde ich zumindest gefühlt komisch angeguckt. “Oh, das ist aber posh”, ist das Gefühl, was mir durch den Blick meines Gegenübers suggeriert wird. Dabei ist es eigentlich eher ein Zufall, dass wir im Trautürmchen des Schlosses heiraten.

Schon in den ersten Überlegungen unserer Hochzeit gab es ein Vereinbarung, dass, wenn wir die standesamtliche und die kirchliche Hochzeit trennen, wir dann zumindest eines von beiden in unserer Heimat Münster machen wollen. Da es meiner Freundin stets sehr wichtig war, in einer schönen und kleinen Kirche zu heiraten, gingen wir beide davon aus, gerade bei der Örtlichkeit für die kirchliche Trauung flexibel sein zu müssen. Also konzentrierten wir uns bei der Standesamtlichen auf die Stadt Münster.

Doch zunächst einmal stand die Terminplanung auf dem Programm. Wenn man Beruf, Studium, Familie aus ganz Deutschland und ein paar Freunde und Bekannte berücksichtigen will, wird der Terminkalender ganz schnell sehr eingeengt. Am Ende blieb fast nur noch dieser 1. Oktober, also kommenden Samstag.

Damit in der Tasche, wanderten wir zum Standesamt nach Münster – einer unser ernüchternsten Termine. Wir kamen raus und da waren sie wieder, unsere drei Probleme: Wir hatten keinen Termin, keinen Ort und auch die Vorstellung mit unserem neuen Familiennamen war auch ad acta gelegt.

Der große Trausaal im Lotharinger Kloster stand am 1. Oktober nicht zur Verfügung. So ein Mist. In unserer Verzweifelung riefen wir dann in Nordkirchen an, denn dort wussten wir, dass Termine flexibler – gegen Aufpreis versteht sich – vergeben werden.

Dort hatte man noch genau einen Termin am 1. Oktober auf Schloss Nordkirchen frei. Wir haben sofort zugeschlagen…

So kommt es, dass wir auf einem Schloss heiraten, obwohl wir eigentlich in ein Kloster wollten. Ach, die kirchliche Hochzeit feiern wir übrigens im August 2012 in der Dyckburgkirche in Münster. Das ist aber noch mal eine ganz andere Geschichte, die zu anderer Zeit aufgeschrieben wird.

Ein Ring sie zu knechten

Guter Rat ist teuer, nicht nur der, sondern auch Eheringe. Welches Material, welche Farbe, mit Steine oder ohne, mit Fuge oder ohne, das sind die entscheidenden Fragen, die ein Juwelier so stellt. Aber noch viel schlimmer als das: Jeder stellt erst einmal fest, dass das gerade ein sehr schlechter Zeitpunkt ist Gold zu kaufen. Tja, die einen sagen so, die anderen so… Klar würden wir uns auch wünschen, wenn der Goldpreis niedriger wäre, aber das Leben ist eben kein Wunschkonzert. Da müssen wir jetzt durch. Denn in jedem Fall ist die Investition in Gold und in Eheringe eine Investionen fürs Leben – idealerweise.

Aber vielleicht wird es ja auch kein Gold, sondern Platin. Äußerlich scheint es zwischen Weiß-Gold und Platin keinen Unterschied zu geben, die die Mehrkosten rechtfertigen. Doch Platinringe zu haben, wäre schon schön, oder? Schnell wird diese Entscheidung  zu einer grundsätzlichen. An welchen Stellen ist bei einer Hochzeit das Sparen erlaubt? Und wo eben nicht? Wie so oft im Leben scheint es hier keinen goldenen Mitteleweg zu geben. Also bleibt nur noch eins: Entscheidung vertagen. Hochzeitsvorbereitungen sind manchmal nicht anders als der politische Alltag.

Immerhin eine Entscheidung ist schon gefallen. Unsere Ringe werden in Münster beim Goldschmied Müller-Tenckhoff gemacht. Zumindest darauf konnten wir uns schon einigen. Über alles andere muss der voreheliche Familienrat noch einmal diskutieren. Es bleibt spannend.

Auf geht’s

“Ja, ja, das wird nie was,” das ist eine der Aussagen, die ich am meisten hasse. Gemeint in diesem Fall war diese Seite hier. Bereits vor gut acht Wochen hatte meine Freundin die Idee, ein Blog zu starten, in dem wir alles reinschreiben sollten und wollten, was wir so in der Zeit der Hochzeitsvorbereitungen erleben – oder auch nicht. Und was lag da näher als meine Seite und mein Blog “Best Wisches” zu nehmen. Gesagt, getan – von wegen. Zugegeben: Ich habe mich mit dem Layout schwer getan. Vor allem damit, überhaupt damit anzufangen. Aber hiermit ist der Anfang getan, der Beweis erbracht, dass es doch was geworden ist.

Ich lasse mich mal überraschen, was ich hier so alles reinschreibe. Am Anfang sicherlich vieles, was nicht mehr so tagesaktuell ist, aber nach einiger Zeit werden es wohl vor allem auch tagesaktuelle Posts sein, die hier veröffentlicht werden. Wir werden es sehen!

Kollegengespräch vs. Beitrag

1Live InterviewLetzte Woche war der Landeskongress der Jungen Liberalen NRW. Und es gab was zu feiern. Genauso wie der Bundesverband wurde auch der Landesverband vor 30 Jahren gegründet. Aus diesem Grund interessierte sich auch 1Live für uns. “Wie sieht der Nachwuchs die Lage der FDP?” war wohl die Überschrift des Autors, der fünf Kollegen und mich zum Interview um einen Tisch versammelt hatte. Über 30 Minuten wurden wir zur FDP, zu Inhalten und zu unserer Motivation befragt.

Am Montag dann konnten wir den Bericht hören, den der Autor gemacht hat. Die 1Live-Philosphie ist ja stets Kollegengespräche zu machen und keine Beiträge. Als Fan von 1Live find ich das grundsätzlich gut, allerdings zeigte das Format in dem speziellen Fall seine Schwächen. Denn von den über 30 Minuten O-Tönen kam genau einer von mir vor. Alles andere gab der Autor als indirekte Rede wieder. Das ist eigentlich schade, denn wir haben – wen wundert es, dass ich das schreibe – einige kluge Dinge gesagt. Aus rechtlichen Gründen darf ich an dieser Stelle leider den Mitschnitt hier nicht veröffentlichen. Als Fan der Urheberrechte weiß ich das natürlich zu respektieren.

Aber dennoch können wir zufrieden sein mit dem Beitrag. Natürlich geht es der FDP gerade nicht sonderlich gut. Wenngleich man schon sagen kann, dass die Tendenz nach der Sommerpause nach oben zeigt. Wenn jetzt bald dann die Aussetzung der Wehrpflicht kommt, wäre das ein toller Erfolg für die JuLis. Vor genau zehn Jahren waren es die JuLis, die es in die Programmatik der FDP eingebracht haben. Dieses Beispiel zeigt, dass es sich lohnt sich bei einer politischen Jungendorganisation zu engagieren. Und es widerspricht allen, die politikverdrossen sagen, man könne heutzutage eh nichts mehr verändern. Die da oben machen ihr Ding. Eben nicht!

Nicht nur für jedes JuLi-Mitglied, sondern auch für jeden Jugendlichen zeigt die Sache mit der Wehpflicht, dass es sich doch lohnt, einzusteigen und mitzumachen. Gerne bei den JuLis, aber gerne auch bei anderen Organisationen. Vielfalt ist was tolles!

Up vs. Down

Geschrieben: 30. September 2010, 19:40 Uhr IC zwischen Berlin und Münster

Eine Stadt zum Verlieben! Die Rede ist von San Francisco. Kleine Häuse, große Wolkenkratzer, eine Riesebrücke, eine berühmt-berüchtigte Insel und ein ständiges Auf und Ab. Obwohl San Francisco zu den größeren Städten an der Westküste zählt, waren wir vor Ort in der Lage nahezu alles zu Fuß zu machen. Einzig die Golden Gate Bridge ist etwas weiter weg. Deswegen haben wir direkt am ersten Tag die Gunst unseres Mietautos genutzt und sind hingefahren. Da das Wetter eher einer Lotterie gleicht und sich der Himmel schneller dreht als eine Roulettekugel, haben wir eine wolkenfreie, nicht benebelte Brücke nur von weitem am letzten Tag gesehen. Trotzdem ist die Brücke ein Erlebnis. Leider war es uns vergönnt sie zu queren oder zu betreten. Denn geplant war mit dem Fahrrad rüber zufahren. Aber warum auch immer haben wir das in den paar Tagen nicht geschafft. Es gab aber auch einfach zu viel zusehen. Schöne Kirchen, viele tolle Ausblicke, wenn man mal wieder einen Hügel erklommen hatte und natürlich auch die Cable Cars. Damit zu fahren ist gleichsam teuer wie auch ein Erlebnis, das wir uns nicht haben nehmen lassen. Vorher allerdings hatten wir uns im entsprechenden Museum genau angeschaut, wie das Ding denn so fährt – durchaus beeindruckend.

Bei all der Vielfältigkeit der Stadt kann man gar nicht alles aufzählen, was die Stadt so besonders macht. Aber ich glaub es sind auch die kurzen Wege. Zu Fuß durch die Straßenschluchten zu gehen, die Cabel Car zu sehen und die vielen verschiedenen Gebäude zu betrachten, hat irgendwie was gemütliches. Am letzten Tag dann sind wir „rüber gefahren“. Alcatraz rief und wir sind dem Ruf gefolgt. Zwar war die Überfahrt mit über 20 US-Dollar recht teuer, aber dafür bekam einen Audio-Guide auf Deutsch, der einem den Zellentrack an den Geschichten von Häftlingen und Wärtern sehr gut beschrieb. Und die nächste Aufgabe ergibt aus seinem Besuch sofort: „The Rock“ gucken und checken, wo Sean Connery und Niklas Cage so lang gelaufen sind und im richtigen Moment schreiben „Da war ich schon…!“

Alles in allem war auch San Francisco die Reise wert.

Sonne vs. Wolken

geschrieben: 26. September, 19:15 Uhr, Flughafen Stuttgart

Zwar ist der Urlaub nun schon wieder eine Woche Geschichte, aber dennoch will ich die Reiseberichte abschließen und außerdem immer mal wieder eine Anekdote aus den USA einstreuen.

Die vorletzte Etappe unserer Reise an der Westküste war die Fahrt von LA nach San Francisco auf dem Küstenhighway. Das muss man sich so vorstellen: Westlich ist das Meer (logisch) nach Osten kommen dann Strand und/oder Küste und weiter östlich folgen höhere Berge. Eigentlich wird die Strecke gen Norden in fast jedem Führer empfohlen. Sie ist auch toll. Allerdings sollte das Wetter mitspielen. Bei uns tat es das nur bedingt. Offensichtlich wehte an diesem Tag der Wind von der Meereseite her und drückte die Wolken gen Küste. Allerdings nicht so stark, denn die Wolken blieben an den Bergen im Osten hängen. Daher fuhren wir die ganze Zeit unter eine Wolkendecke. Gen Osten, jenseits der Berge, war strahlender Sonnenschein und auch auf dem Meer selbst, waren kaum Wolken zu sehen.

So fuhren wir also die endlos langen Serpentinen hoch und wieder runter wohl behütet von einer Wolkendecke – Sonnenbrandrisiko gleich null. Trotzdem war die Strecke durchaus sehenswert. Zu sehen gibt es beispielsweise Seelöwen. Viele von denen liegen an einem Küstenabschnitt. Und entweder sie geben komische Geräusche von sich oder sie liegen einfach nur faul da. In jedem Fall aber stinken sehr. Irgendwie lustig.

Weniger zu empfehlen sind in die Orte Monterey und Carmel. Beide sind verschrien von den Schönen und Reichen bewohnt zu sein. Doch die Städte (wenn man überhaupt davon ob ihrer Größen sprechen kann ) haben wenig zu bieten. Auch das mag vielleicht dem Wetter geschuldet zu sein, denn auch dort war kein Sonnenschein. Aber, was soll ich schreiben, die waren einfach langweilig. Mehr gibt es dazu einfach nicht zu schreiben.

Alkohol vs. Hartz IV

Ehrlich gesagt, die aktuelle Debatte um die Hartz-IV-Regelsätze ärgert mich. Es passiert jetzt etwas, wovor FDP-Chef Westerwelle im Frühjahr – viel kritisiert – hervorgesagt hat. Es ist grundsätzlich in Ordnung darüber zu diskutieren, welcher Regelsatz von Nöten ist. Das halte ich aber für einen fortlaufenden Prozess. Aktuell ist es aber so, dass diese Diskussion vor dem Hindergrund läuft, dass das Verfassungsgericht gesagt habe, die Regelsätze müssten steigen. Das ist schlicht weg falsch! Der Aufhänger der Debatte ist also nicht gegeben. Das ist aber nur die eine Seite.

Auf der anderen Seite ärgert mich auch worüber inhaltlich debattiert wird und aus welchem Blickwinkel. Seit wann gibt es denn ein staatlich garantiertes Recht auf Rausch? Bei allem Verständnis für die Bezieher von Arbeitslosengeld II (ich mag den Ausdruck Hartz IV überhaupt nicht), aber wer fragt eigentlich mal, woher das Geld kommen soll? Aus meiner eigenen Familie weiß ich, was es heißt mit knapp 350 Euro im Monat auszukommen. Das ist mehr als hart und für den/die Betroffe(n) sowie die Familienangehörigen eine enorme Belastung. Wer sich – völlig zurecht – Gedanken über eine warme Mahlzeit für die Bezieher von Transferleistungen macht, wer ihnen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen will und wer ihnen auch das Rauchen und das Trinken von Alkohol ermöglichen will, muss sich Gedanken machen, wer das alles bezahlen soll.

Wo sind die Gedanken an die Berufseinsteiger, die  sich verwundert die Augen reiben, weil Netto kaum 50% des verdienten Lohnes übrig bleiben? Wo sind die Gedanken an den Schuldenberg des Bundes, der Länder und der Kommunen? Und wo sind die Gedanken an die jungen Menschen, die Kinder, die auf diesem Schuldenberg spielen müssen?

Die Frage, was muss der Staat denen, die in Not sind, geben, ist auch eine Ethische. Die Frage, was man der immer kleiner werdenden arbeitenden Bevölkerung (demographischer Wandel etc.) noch alles aufhalsen kann und was wir unseren Kindern morgen überlassen, ist aber eben auch eine ethisch-moralische Frage.

Vor diesem Hintergrund ist die Forderung nach über 400 Euro eine Unverschämtheit. Eine Unverschämtheit, weil sie genauso aus der Luft gegriffen ist, wie die alte Regelung, die das Verfassungsgericht in seiner Entscheidung im Frühjahr beanstandet hat. Sie ist eine Unverschämtheit, weil sich niemand dazu äußert, wer die Kosten dafür tragen soll. Und sie ist eine Unverschämtheit, weil sie nicht an den Kraftfahrer, an die Familien und die Erwachsenen von morgen denkt.

Es ist atmenberaubend in welchem Tempo sich ehemalige Regierungsparteien von ihren eigenen Beschlüssen von früher verabschieden und nun wieder einen Staat postulieren, der für alles zuständig ist und für alles Geld hat.

Von meiner Partei bin ich aber auch ein bisschen enttäuscht. Ich hätte mir gewünscht, dass sie sich nach dem sehr krawalligen Auftakt von Westerwelle (Stichwort spätrömische Dekandenz) aufmacht, die Probleme, die der Sozialstaat hat, nüchtern und ehrlich aufzeigt, Lösungswege erarbeitet und so ein Konzept entwickelt, mit dem alle im wahrsten Sinne des Wortes leben können und alle “Gruppen” -  Starke, Schwache, Bedürftige, Findige, Arbeitstätige, Arbeitslose, Kinder und Jugendliche, Familien – berücksichtigt.

Ich glaube – auch wenn ich kein Arbeitsmarktexperte bin – aus eigener Erfahrung, dass die Regelsätze für Erwachsene nicht steigen müssen.

Stadt vs. National Park

Geschrieben: Daheim in Deutschland, 18. September, Ortszeit 4:04 Uhr

Wer so viele National Parks besucht, der ist irgendwann auch mal froh wieder eine größere Stadt zu sehen. So ging es uns, als wir Kurs auf Los Angeles nahmen. Das ist nichts gegen die Parks, aber nach so viel Natur, und manchmal auch Einsamkeit, ist es auch mal wieder schön das Pulsieren einer Großstadt zu erleben.

Natürlich darf auf einer ersten Westküsten-Tour durch die USA LA nicht fehlen. Doch danach ist man dann auch kuriert. So sehr ich mich auf die Stadt gefreut habe, so froh war ich auch, als wir gut drei Tage später wieder raus fuhren. LA ist vollkommen überbewertet! Zunächst fuhren wir nach Ontario. Dort gab es die gleichnamigen Mills. Ein riesen Outlet-Center mit vielen Markengeschäften, die zu spottbilligen Preisen zu meist Klamotten anbieten. Dort hab ich mir beispielsweise eine Winterjacke gekauft, die ich im Outlet in Las Vegas gesehen, aber dort dann doch (noch) nicht gekauft hatte.

Übernachtet haben wir drei Tage im BananaBbungalow in West-Hollywood (Farfax Ave Ecke Clinton Street). Das Hostel ist durchaus zu empfehlen. Es liegt sehr gut auch wenn die ÖPNV-Anbindung (insbesondere die Metro-Anbindung) nicht so optimal ist. Aber das fällt nicht ins Gewicht, wenn selbst die Tourist-Information empfiehlt in LA alles mit dem Auto zu machen.

Tja, aber was hat LA nun zu bieten? Gut, der Hollywood Boulevard ist am Kodak Theatre (dort werden die Ocars immer vergeben) schon ganz schick. Auch schön ist, dass man von dort aus einen der besten Blicke auf das Hollywood-Sign in den Hügeln des Parks sehen kann. Aber schon der „Walk of Fame“ verliert seinen Zauber, wenn man weiß, dass man sich einen solchen Stern auf beiden Bürgersteigen entlang des Hollywood Blv. kaufen kann und muss. Die Hand- und Fußabdrücke von einzelnen Stars, die man nicht kaufen kann, sind da schon imposanter (auch Hildegard Knef hat ihre Spure hier hinterlassen).

Tja, aber ehrlich gesagt das war es dann auch schon. Der Sunset Boulevard ist eine dicke Straße, entlang der Stadtteile Beverly Hills und Bell Air. Die beiden sind natürlich sehr schick, aber ein Stadtteil, der eine eigene Security hat (Bell Air), ist mir suspekt. Natürlich sind wir entlang gefahren und viele „Celebrety-Tour-Busse“ haben uns begleitet. Doch was haben die wohl ihren Passagieren gesagt? Denn zu sehen gab es gleich null. Mal ein mächtiges Eisentor vor einer noch mächtigeren Einfahrt, und jede Menge Zäune, Hecken und andere Sichtbehinderungen auf den üppigen Anwesen.

Der Rodeo Drive (bekannt beispielsweise aus dem Film Pretty Woman) ist kleiner als gedacht, aber sehr schön. Eine Edelboutique reiht sich dort an der nächsten und zum Glück hatten dort die Läden im Schaufenster keine Preise an den Produkten geschrieben, sonst wäre ich noch auf die Idee gekommen, etwas zu kaufen – auf Pump versteht sich.

Am Ende unserer LA-Tour machten wir dann noch Halt an den diversen Stränden der Stadt. Ja, den Santa Monica Pier sollte man mal gesehen haben, vom berühmten Venice Beach hingegen würde ich dringend abraten. Dort hatten wir aber auch noch eine Übernachtung in einem Zimmer, dass einem Loch ähnelte (entsprechend klein war das Fenster und bescheiden die Aussicht daraus). Schwimmen kann man bei durchgängig 16 Grad Celsius Wassertemperatur an den Stränden im Jahr eh nicht. Venice ist dann auch noch so ein Szene-Viertel. Wer eine alternative Szene mit Kiffen und dem ganzen quatsch mag, der ist hier zu Hause, ich fand es schrecklich. Dafür gab es dort viele Basketball-Plätze und einen tollen Skateboard Platz, wo viele Leute stehen blieben und den „Performern“ zuschaute. Das war schon ganz witzig.

Auf dem Weg dann nach San Francisco fuhren wir entlang der Küste und machten Halt am Malibu Strand. Von wegen immer gutes Wetter. Von wegen David Hasselhoff. Von wegen Baywatch. Dafür aber ein paar Surfer im Ganzkörper-Neopren. Aber auch Malibu ist kein Besuch wert.

Abschließend: Wer ein bisschen was von den vielen Filmen, die dort gedreht werden, mitbekommen will, der kann in die weltberühmten Universal Studios gehen. 64 US-Dollar sind ein stolzer Preis. Und sicher ist er ob des Namens gut 20 bis 30 Prozent überteuert, aber die Studio-Tour mit einigen Vorführungen ist schon sehr cool. Und auch der Park mit Wildwasserbahn und Rollercoaster (allerdings für Anfänger, deswegen konnte ich auch mitfahren) war schon ganz nett. Wir hatten einen Werktag erwischt, an dem der Park nicht so voll war und selbst da haben wir es fast nicht geschafft alles zu sehen. Wer am Wochenende dort ist, der wird wahrscheinlich ewig vor den verschiedenen Attraktionen anstehen müssen und daher noch weniger sehen und geboten bekommen, dann wird es vom Preis-Leistungsverhältnis fast schon unverschämt, zumal der Park gerade mal acht Stunden am Tag geöffnet hat.

Alles in allem muss man LA und auch die Studios sicher mal gesehen haben. Aber das reicht dann auch. Für mich ist Los Angeles nicht die Stadt der Engel, sondern die Stadt der Enttäuschungen. So war ich dann auch froh, als wir uns zu unserer letzten Tour aufmachten.

Grand Canyon vs. Schwarzwald Klinik

Geschrieben: 18. September in Deutschland, Ortszeit: 3:50 Uhr

Die Überschrift mag überraschen und vielleicht auch die zugegeben etwas kitschige Geschichte. Jahrelang habe ich mit Amerika diese tollen Bilder von unendlicher Weite assoziiert, die bei der TV-Serie „Die Schwarzwald Klink“ lief. Damals war Prof. Brinkmann nach einem schweren Herzinfarkt in die Staaten geflogen, um sich von Spezialisten wieder fit machen zu lassen. Dabei nutzte er die Gelegenheit, Urlaub zu machen. Tolle Bilder entstanden so mit ihm an der Klippe am Grand Canyon. Vielleicht nicht wenige werden jetzt denken, warum ist er nicht gesprungen, aber darauf will ich an dieser Stelle nicht näher eingehen.

Der Grand Canyon ist Atmen beraubend. Man kommt sich sooo, so winzig vor, wenn man vor dieser tiefen Schlucht steht und den Hals reckt, um nur etwas von dem Colorado River zu sehen. Zur Zeit wird der National Park ein bisschen aufgepeppt (Stichwort: „Putting America into Work – das Konjunkturpaket von Obama), das tut dem ganzen aber keinen Abbruch.

Auch hier hat man die Möglichkeit einerseits mit dem Auto durch die Gegend zu fahren und andererseits mit einem kostenlosen Shuttle zu fahren. Mit diesem kommt man am Ende auch weiter als mit dem privaten PKV oder Caravan. Alles abzulaufen ist aber wegen der Entfernung schier unmöglich. So ist es beispielsweise auch verboten an einem Tag den Canyon hinab und wieder hinauf zusteigen. Wer eine solche Tour machen will, muss sie guided unternehmen und im Tal des Canyons eine Nacht campen. Sicher ein cooles Erlebnis, aber wenn man die Schlucht sieht und sich dann überlegt, dass man da runter und dann wieder hoch muss – zu Fuß – dem wird glaub ich auch ganz anders.

Um aufzuzeigen, wie riesig der Bereich des Grand Canyons ist, will ich auf ein weitverbreitetes Missverständnis hinweisen. An einer Stelle des National Parks steht ein Schild auf dem steht, der berühmte Skywalk (wandern auf einer Glasplatte im Stile des Roadrunners, wenn er über die Klippe gelaufen ist, einen Moment in der Luft verharrt und dann erst abstürzt) würde nicht zum National Park Service gehören und würde von Punkt des Schildes aber ca. 300 Milen entfernt im Indianer Reservoir liegen. Das sind mal Ausmaße. Also, wer diesen Skywalk machen will, muss ganz woanders hin und außerdem viel Geld mitbringen. Auf dem Skywalk sind keine Kameras erlaubt, der Zutritt kostet aktuell wohl 30 US-Dollar. Hinzu kommt, dass er nur über eine Dirtroad (vgl. meinen Eintrag zum Mounment Valley) zu erreichen ist und die Parkgebühr bei 30 US-Dollar liegen soll.

Aber es bedarf auch keines Skywalks, um den Grand Canyon zu genießen. Es ist auch so einfach gigantisch und beeindruckend. Vielleicht hätten wir ein bisschen mehr Zeit mitbringen sollen. Wir hatten nur einen Tag, aber auch der hatte sich schon sehr gelohnt.

Dirtroad vs. Guided Tour

Geschrieben 10. September, 21:30 Uhr, Venice Beach, Los Angeles

Eine Vormittagsbesichtigung des amerikanischen Krankenhauswesens ließ den Plan zerschellen, an den Lake Powell zu fahren. Stattdessen machten wir uns am Mittag Richtung Mounment Valley auf. Darüber hatten wir im Vorfeld bereits viel gehört. Die Einen sagten, es würde sich nicht lohnen, die Anderen erzählten begeistert davon, wie toll dort doch alles sei. Wir überzeugten uns selbst. Fünf US-Dollar kostet der Eintritt zum Valley, weil das Gebiet den Indianern gehört, gilt da kein Pass für die National Parks.

Vom Visitor Center aus hat man den besten Blick auf die Felsbrocken. Und ja, es ist doch sehr beeindruckend. Die Felsen wirken gerade in der späten Nachmittagssonne besonders rot.  Wenn man näher ran will an die Felsen, muss man eine ca. 17 Milen lange so genannte “Dirtroad” befahren. Eine Straße also, die den Namen nicht verdient. Bereits nach wenigen hundert Metern drehten wir wieder um, weil die Schlaglöcher so manigfalig und so tief waren, dass wir uns nicht sicher waren, ob unser Mietauto das überlebt. Jetzt wussten wir, warum es Autoverleiher gibt, die explizt das Befahren von Dirtroads verbieten.

Tja, sehr schade, aber lieber so, also ein abruptes Ende der Tour wegen Achsbruch. Doch mit unserem Latain waren wir damit noch nicht am Ende. Die lieben Rothäute boten auch Guided Tours an. Dort sitzt man dann auf umgebauten Trucks uns rumpelt über die Road. Gerne hätten wir das gemacht, doch 70 US-Dollar erschien uns für die gut 17 Milen dann doch zu viel Geld. Vor allem auch deswegen, weil die Felsen natürlich von nahem nicht mehr so wirken wir zusammen aus der Ferne. Also entschlossen wir uns, nach kurzem Aufenthalt wieder zufahren. Knapp 300 Milen An- und Abfahrt für ein, zwei Mal gucken. Auch das gibt es wohl nur in Amerika.

Wer jetzt Recht hat? Die Einen oder die Anderen? Keine Ahnung. Ich kann beide Meinungen nachvollziehen.